Was ist Partizipation? Definitionen

Den Begriff „Partizipation“ kann man auf das lateinische ‚particeps‘, (also „Anteil habend, beteiligt sein an“) zurückführen.  Man kann aber auch auf „partem carpere“ zurückgreifen, was wörtlich bedeutet »einen Teil (weg-)nehmen. In „particeps‘ wie auch in „partem carpere“ enthalten sind die lateinischen Wörter pars („Teil“, „Anteil“), und capere, also („nehmen/fassen“. Die einfachste Übersetzung wäre Teilnahme oder Beteiligung. Der Begriff „Teilnahme“ ist aber viel zu schwach (z. B. ist die Teilnahme an einem Konzert sicher keine Partizipation). Deshalb verwenden wir die Bezeichnungen „Beteiligung oder „Partizipation“. Die Bezeichnung „Beteiligung“ wird oft als etwas schwächer empfunden, sie ist aber im Prinzip synonym mit „Partizipation“ und hat sich umgangssprachlich ebenfalls durchgesetzt.

Wenn wir im Begriff der Partizipation in besonderer Weise auf „partem carpere“ zurückgreifen, was – wie gesagt – wörtlich bedeutet, „einen Teil (weg-)nehmen“ oder „abgeben“, meinen wir, dass den Erwachsenen ein gewisser Teil („pars“) zu Gunsten der Kinder und Jugendlichen weggenommen wird. Bei diesem Teil handelt es sich um die Verfügungsgewalt über Kinder Jugendlichen und ihre Lebensverhältnisse, aber insbesondere auch um Entscheidungsrechte und Kompetenzen – also letztlich Macht. „Teil“ kann aber auch das Teilen von Verantwortung bedeuten! Es werden also (An)teile auf die Kinder und Jugendlichen übertragen. Partizipation heißt „Teilen“!

Partizipation ist mehr als Teilhabe

Manchmal wird der Begriff Partizipation mit dem Begriff Teilhabe gleichgesetzt – auch in vielen Publikationen. Das ist aber nichtkorrekt. So argumentiert etwa Nieß (2016:69 f.) in der Richtung, dass es sich bei diesem Begriff gar nicht um einen demokratietheoretischen Partizipationsbegriff handele, sondern um einen Begriff, der aus einem ganz anderen Verwendungskontext entstamme und als sozialpolitischer Leitbegriff im Kontext der Diskussion um soziale Ungleichheit, Armut und Ausgrenzung genutzt würde. Die Heimat des Teilhabebegriffes sei die Sozialgesetzgebung beschreibe vor allem wovon niemand ausgeschlossen sein solle. Der fehlende demokratietheoretische und politische Bezug vernachlässige vor allem den Aspekt der Einflussnahme.

Partizipation ist dagegen immer etwas Aktives. Teilhabe hat aber eine eher passive Konnotation: Man empfängt sozusagen etwas, man bekommt einen Teil ab (zum Beispiel Sozialleistungen). Es wird einem etwas – fast mit paternalistischem Duktus – gewährt. Es handelt sich um eine rein passive Teilhabe an den Ergebnissen von Entscheidungen, ohne dass man auf die Herstellung der Entscheidungen und Ergebnisse Einfluss hat. Im Falle demokratischer Prozesse sollten die Adressaten von Entscheidungen aber immer auch mitwirken können als Urheber an der Erzeugung von Entscheidungen. Dieser grundsätzlich aktive Prozess der Partizipation ist mit Einfluss verbunden – mit Selbstwirksamkeit. Beides setzt Freiwilligkeit und Freiheit voraus.

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